Ida Dehmel: Die Frau, die Kunst und Leben neu erfinden wollte

Schon früh zeigte sich Ida Dehmels kompromissloses Lebensmotto: Sie wollte nicht nur zuschauen, sie wollte gestalten. Das tat sie, und zwar auf eine Art, die bis heute nachwirkt.

Von Dorit Kobusch-Balk

Ida Dehmel ist 63, als sie ihre zweite Weltreise antritt. Mit ihrer Schwester Alice ist gerade die letzte enge Verwandte und Vertraute gestorben, das politische Leben macht ihr Angst, sie wird zudem immer mehr aus ihrem vertrauten Leben gedrängt. Da wird es ihr sicher guttun, mal aus allem Vertrauten auszubrechen: „Wir lebten auf dem Meer wie auf einer anderen Erde“ schreibt sie darüber. Und in einem Brief: „Ich versuche alles außer dem Meer und der Sonne und dem Himmel zu vergessen. Ich habe auch nette Gesellschaft. Wir sprechen prinzipiell nur Harmloses.“ Wie aktuell das anmutet! Und wie modern Ida Dehmel hier klingt. Aber wer war Ida Dehmel überhaupt?

Ida Dehmel war nicht nur die Muse eines der bekanntesten Dichter ihrer Zeit. Sie war Netzwerkerin, Kunstförderin, Feministin, Salonière – eine Frau, die sich weigerte, in die Schubladen zu passen, die die Gesellschaft für sie vorsah. Geboren 1870 als Ida Coblenz in Bingen am Rhein, wuchs sie in einem konservativen, jüdischen Elternhaus auf. Noch in Bingen traf sie auf den jungen Stephan Georg, dessen Gedichte ihr unbekannte Horizonte öffneten.

Ein Leben zwischen Konvention und Revolution

Ida Dehmels erster großer Schritt in die Unabhängigkeit war ihre Ehe mit dem Unternehmer Leopold Auerbach, auch wenn sie das vermutlich zunächst nicht so sah, denn der Ehemann war die Wahl ihres Vaters. Die Verbindung ermöglichte ihr jedoch den Sprung aus der Provinz in die Hauptstadt, wo sie im Berliner Tiergartenviertel einen fortschrittlichen Salon führte.

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