„Fasten your seatbelt“ von Ursula Buchwald

Habt ihr auch schon mal davon geträumt, das Leben mit jemand anderem zu tauschen?

Von Ursula Buchwald

Das ist doch Wahnsinn, was du hier tust, flüstert ein weinerliches Stimmchen in mir, du bist komplett verrückt. Aber wenn es klappen würde, wäre es genial(!), verdränge ich den Gedanken wieder; und schließlich: Wer siegt, hat Recht.

Ich befinde mich an Bord einer Boeing 747, Zielflughafen San Francisco. Die Turbinen laufen auf Hochtouren. Nur noch wenige Minuten und wir heben ab. Ich stelle meinen Sitz gerade. Mein Hinterkopf gräbt sich in die Polsterung der Rückenlehne. Wie gut das tut! Endlich raus aus der Routine einer klaustrophobisch-deutschen Enge.

Flugreisen haben mir schon immer das Gefühl gegeben, dass das Leben formbar sei. Eine von oben betrachtete Spielzeugwelt, die sich mit einem Stups umgestalten ließe: Kirchtürme versetzen, Bäche oder Flüsschen umleiten, Wäldchen ausdehnen. Alles ein wenig aufhübschen. Federleicht! – Die Geschwindigkeit, mit der man plötzlich ganze Orte und Landschaften hinter sich lassen konnte.

Samt einer Unmenge an Zeit. All die öden Jahre, die man mit seiner lästigen Familie vergeudet hatte, ließen sich jetzt mühelos abstreifen, von sich weisen, als seien es nur flüchtige Bekannte gewesen, die man kaum gekannt. Was, streng genommen, nicht einmal gelogen wäre. Wen kennt man schon wirklich?

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