Interview: Von Andernach nach Melbourne

Ich habe mich mit Britta Mrongowius über die Beziehung zu Orten, Heimat im Allgemeinen und ihrer neuen Heimat Melbourne (Australien) unterhalten, in die sie 2024 ausgewandert ist. 

Von Dorit Kobusch-Balk

Dorit: Viele Menschen verbinden Heimat mit dem Ort, an dem sie aufgewachsen sind. Du lebst jetzt in Melbourne – was bedeutet Heimat für dich heute? 

Britta: Für mich bedeutet Heimat grundsätzlich ein kultureller Raum, dessen Traditionen mein Aufwachsen mit Bedeutung versehen hat. Ich bin in den 60ern in einer rheinischen Kleinstadt in einem 3-Generationen-Haushalt groß geworden. Mein Vater kam als Kind aus Stettin nach der Flucht mit seiner Mutter und beiden Brüdern hier an, meine Mutter kam nach Abschluss ihrer höheren Handelsschulreife 1959 in Begleitung ihrer überlebenden Tanten aus der Gegend um Berlin. Meine Heimat besteht sozusagen aus den verlorenen Heimatsgefühlen der alten Tanten, die meine Mütter waren, während meine sehr junge Mutter und ebensolcher Vater arbeiten mussten. 

Man nahm mich als damals evangelisches Kind nicht im katholischen Kindergarten auf, also hatte ich wenig Prägung von außen. Mich hat der Dialekt verstört, den ich nicht verstanden haben. Also hat sich meine Heimat ins Innere und, soweit wie möglich, in die Natur verlagert, um der Enge des Hauses zu entkommen. Ich wurde ein wildes Mädchen auf Rollschuhen, Fahrrad und Gleitschuhen für die wenigen Hügel, auf denen man sich eine „Bahn” machen konnte.

Dorit: Und wie hat sich diese Definition für dich verändert, seit du im Ausland lebst?

Was tatsächlich „Heimat” für mich bedeutet, habe ich erst mit dem Abschiedsschmerz gemerkt, der jeden Migranten ereilt. Egal, wie schön ein Ort, eine Gegend, wie nett die Menschen, man vermisst die Selbstverständlichkeit des Sprachraumes, der es ermöglicht hat, Bindungen aufzubauen und Familie und Freundschaft zu erhalten. Wegzugehen, auszuwandern, zu migrieren, das ist an sich schon unglaublich schwierig. Man lernt ein anderes Justizsystem, Steuersystem, in diesem Fall Verkehrssystem mit Linksverkehr kennen und selbstverständlich eine andere Sprache. 

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